Croozer Blog: Hinter den Kulissen

Croozer Geschäftsführerin Hanna Grau im Interview

"Ich liebe die Freiheit, die mein Job mit sich bringt"

Unsere Geschäftsführerin Hanna ist Mitautorin des frisch erschienenen Buches: “Gründen - Frauen schaffen Zukunft”. Im Interview mit uns gibt sie Einblicke in die Themen und nimmt uns mit in ihren Alltag als “Mompreneur”. Wie sieht so ein Tag bei ihr aus? Welche Herausforderungen warten auf sie in ihrer Doppelrolle als Unternehmerin und Mutter? Und was muss sich gesellschaftlich verändern, um die Vereinbarkeit von Beruf & Familie zu verbessern? Antworten auf diese und weitere Fragen lest Ihr hier!

Hallo Hanna, Du bist nicht nur Unternehmerin, sondern auch Mutter einer zweijährigen Tochter und damit eine sogenannte „Mompreneur“. Wie sieht Dein typischer Tag aus – bzw. gibt es so etwas überhaupt?

Zunächst liegt mir eine Sache sehr auf dem Herzen: Ich spreche gerne über meine Doppelrolle als Mutter und Unternehmerin bzw. Geschäftsführerin. Jedoch ist eins dabei wichtig: Männer werden zu dieser Doppelrolle grundsätzlich eher seltener bzw. nie befragt. Hier fängt das Problem meines Erachtens schon an - durch die vielen Fragen und den „Respekt“, den man gespiegelt bekommt, erscheint es mir manchmal, als würde ich etwas total Abwegiges tun, oder gar keine „normale“ oder gute Mutter sein. Mit diesem Bild muss dringend aufgeräumt werden! Es ist doch egal, welcher Part in der Familie unternehmerisch tätig ist oder eine Karriere macht – wichtig ist, dass das System stabil ist, dass das Kind von liebenden Menschen (egal ob Papa, Mama, Opa, Oma, Tante, Onkel, Freund:innen) umgeben ist und sich immer gut aufgehoben fühlt. Was hat ein Kind von einer frustrierten Hausfrau und Mutter, die all ihre Träume aufgegeben hat, um sich rund um die Uhr um Kind und Haushalt zu kümmern? (Dasselbe gilt natürlich auch für Väter). Sicherlich nicht mehr als von einer ausgeglichenen Mutter, die es liebt, nach ein paar Stunden Arbeit wertvolle Zeit mit dem Kind zu verbringen.

Nun zur Frage: Nein, den typischen Tag gibt es nicht. Grundsätzlich ist hier viel Koordination gefragt. Seit meine Tochter zwei Jahre alt ist, gibt es zwei Varianten eines typischen Tags: Entweder ich bringe Matilda mit dem Rad in den Kindergarten und arbeite dann aus dem Home Office, um sie mittags wieder abzuholen, oder mein Mann übernimmt diesen Part und ich arbeite im Büro schon früher und bleibe länger. Diese Tage wechseln sich ab, sodass wir beide gleich viel Zeit im Büro und mit Matilda verbringen. Ich denke, der Unterschied zu angestellten Müttern ist, dass ich nicht alle meine Termine selbstbestimmt legen kann, manches wirklich nicht warten kann (nicht mal einen Tag) und ich immer wieder auch mal Abendveranstaltungen habe oder auch mal mehrere Tage weg bin. Und dafür braucht es eben in der ganzen Familie die nötige Flexibilität.

Vor welchen besonderen Herausforderungen stehst Du als Mompreneur?

Eigentlich fühlt es sich für mich sehr stimmig an und wenn ich sehe, wie meine Freundinnen ihren Alltag meistern, mag ich es gar nicht so hervorheben, dass ich etwas „Besonderes“ schaffe oder leiste.
Die größte Herausforderung für mich ist es, meine Balance zwischen Beruf und Familie zu finden und die Firma nicht zu sehr in den Familienalltag einziehen zu lassen. Also darauf zu achten, dass wir am Esstisch nicht über Croozer, sondern über private Themen sprechen. Da mein Mann ja auch bei Croozer tätig ist, fällt es manchmal schwer, nach einem Arbeitstag den Absprung zu schaffen. Zudem ist es so, dass ich als Geschäftsführerin natürlich diverse Themen parallel im Kopf habe – deshalb nenne ich die Zeit, die ich zwischen Firma und Familie brauche, gerne „Transitzeit“. Diese Zeit ist wichtig für mich, um in meinem Kopf umzuschalten, mein Gedankenkarussell zu stoppen und mich ganz aufs Kind oder die Themen zuhause einlassen zu können.

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Welche Eigenschaften sind Deiner Meinung nach besonders wichtig, um diese Herausforderungen zu meistern?

Man darf manche Themen nicht zu nah an sich heranlassen. Bei einem Unternehmen unserer Größe geht es um zweistellige Millionenbeträge, um mehr als 60 Mitarbeiter:innen mit eigenen Familien, um laufende Kosten, die zu decken sind und um Konkurrenz von Großkonzernen (um nur ein paar Beispiele zu nennen). Wenn ich mich all den Risiken, die damit verbunden sein könnten, ganz hingeben würde, dann wäre ich vermutlich nicht in der Lage, am Nachmittag in meiner Mutterrolle abzuschalten. Genauso ist es mit anderen Engpässen oder kritischen Themen – eigentlich vergeht kein Tag ohne einen kleinen „Brand“, der gelöscht werden muss. Ich habe gelernt, diese Brände zu löschen, aber die Asche nicht mit nach Hause zu nehmen. Ich denke, das ist die größte Kunst und auch der wichtigste Aspekt für mentale Gesundheit als Unternehmerin.

Einerseits: Beschleichen Dich auch manchmal negative Gefühl wie Zweifel, Gewissensbisse oder Überforderung? Wie gehst Du damit um?

Natürlich habe auch ich mal negative Gefühle. Gewissensbisse eigentlich sehr selten, da mein Gewissen in der Regel nicht beunruhigt ist - ich verbringe im Vergleich sogar mehr Zeit mit meiner Tochter als manche meiner Freundinnen. Dennoch gibt es natürlich stressige Phasen, in denen ich vielleicht nicht komplett anwesend bin, gestresst oder auch mal mehrere Tage nicht da. Dann tut es mir eher leid, dass ich mich an diesen Tagen meiner Tochter nicht in dem Maße widmen konnte, wie sie es verdient hätte.
Zweifel und Überforderung kenne ich schon eher. Zweifel treten immer dann auf, wenn Überforderung Überhand nimmt. Überforderung tritt wiederum immer dann auf, wenn ich mit neuen, unbekannten Herausforderungen konfrontiert bin, die ich auf Anhieb nicht zu lösen weiß. Hier habe ich aber viel von meinem Vater an Ruhe und Besonnenheit gelernt, mich dieser Überforderung zu stellen, mir Hilfe und Rat zu suchen und dann auch entschieden zu handeln.

Dann kenne ich auch die private Überforderung: Wir haben ja nicht nur eine Tochter, sondern auch zwei Hunde. Es gibt Tage, da wollen alle alles gleichzeitig und sofort. Es gibt Tage, da können wir den Hunden keinen Auslauf bieten, weil wir es beide nicht integriert bekommen haben. Es gibt Tage, da bin ich erschöpft und frage mich, ob es nicht einfacher wäre, es gäbe eine fixe Person, die sich um die ganzen Familienthemen kümmert. Einfacher ja – ob wir dadurch glücklicher wären, wage ich zu bezweifeln.

Andererseits: Was ist das Schönste an Deinem Lebensmodell?

Das Schönste ist meine Flexibilität. Da ich meine eigene Chefin bin, kann ich meinen Arbeitsalltag so gestalten, wie es für uns oder für mich gerade passt. Als Geschäftsführerin bin ich natürlich auch etwas an unsere Zeiten gebunden, dennoch liebe ich die Freiheit, die mein Job mit sich bringt.

Nach welchen Werten handeln wir bei Croozer?

Hier präsentieren wir Dir unsere Unternehmenswerte!

In unserer Gesellschaft herrscht leider allzu oft noch das Bild vor: Karriere oder Kind(er). Wie können wir dieses Bild ändern und die Vereinbarkeit von Beruf & Familie verbessern?

Dazu passen meine Anfangsworte. Ich denke, es fängt schon bei uns selbst – bei jeder einzelnen Person - an. Wie beurteilen wir berufstätige Frauen? Wieso ist es ein Unterschied, ob der Mann die Kita-Eingewöhnung macht oder die Frau? Wieso nehmen Männer nach wie vor meistens nur zwei Monate Elternzeit und Frauen mindestens 12 Monate? Ja, eine (längere) Elternzeit steht einer Karriere oft im Wege. Aber hier sind auch Unternehmer:innen gefragt, Unternehmen zu gestalten, die den Wiedereinstieg für Mütter und Väter nicht nur ermöglichen, sondern auch fördern und eng begleiten. Dazu gehört auch, dass zukünftig Vollzeitmodelle – v.a. für Eltern – hinterfragt werden sollten. Eltern sind oft besser organisiert, schneller, effektiver. Wir müssen weg von der zeitorientierten Vergütung hin zur leistungsorientierten Vergütung, denn sonst sind Personen in care-Situationen immer benachteiligt. Sie leisten rund um die Uhr Höchstarbeit, um am Ende nur 60, 70 oder 80 Prozent ihres Gehaltes zu bekommen. Dazu mache ich mir viele Gedanken, um mit Croozer auch in dem Bereich neue spannende Wege zu gehen.
Und ganz am Anfang steht natürlich der Gender Pay Gap: Wenn Frauen im Schnitt weiterhin weniger als Männer verdienen, wird die Frage der Elternzeit auch weiterhin mehrheitlich auf die Frau fallen.

Wir müssen mit der Selbstverständlichkeit brechen, dass die Frau ihre Karriere aufs Spiel setzt und mehrere Jahre zuhause bleibt – dafür sollten wir uns alle einsetzen. Familien müssen unterstützt werden in ihrem Prozess, ein gutes, funktionierendes Familiensystem aufzubauen, in dem beide Eltern ihre Ambitionen - beruflich und familiär - ausleben können.

Sicherlich gibt es viele junge Frauen, die gerne denselben Weg gehen möchten wie Du, aber Hemmungen oder zu großen Respekt vor den Herausforderungen haben. Welche Tipps gibst Du ihnen mit auf den Weg?

Sucht Euch Frauen, die an einem ähnlichen Punkt stehen oder den Weg schon gegangen sind. Sucht Euch Netzwerke für den gemeinsamen Austausch. Generell finde ich es am wichtigsten, seine eigenen Sorgen und Ängste ernst zu nehmen und nachzuhören, woher sie kommen. Denn Unternehmerin zu sein bedeutet ja nicht, immer angstfrei oder immer mutig zu sein.

Und bleibt Euch treu – macht es so, wie Ihr es für richtig haltet. Oft sind ja doch mehr Männer im direkten beruflichen Umfeld; da ist es wichtig, seinem Kurs treu zu bleiben, denn am Anfang prallen hier manchmal Welten aufeinander. Aber irgendwann nähert man sich an und kann nur voneinander profitieren. Aber das Ziel ist ja nicht, dass Frauen wie Männer agieren oder andersrum. Daher: Vertraue Deiner Intuition, Deinem Bauchgefühl und Deinen Werten.

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